- Die Glocken von Vineta -
Atlantis in der Ostsee …
Den wenigen überlieferten Chroniken nach soll sie die größte und reichste Stadt Europas gewesen sein. In der Sagenwelt der Ostsee hat sie als nördliche Schwester von Atlantis einen festen Platz. Archäologen und Historiker sind sich inzwischen einig, dass die Wunderstadt nicht den Wunschträumen mittelalterlicher Utopisten entsprang, sondern dass es einen solchen Ort tatsächlich gegeben hat. Zahlreiche Theorien ranken sich um ihre Lage, um ihr Bestehen und ihren geheimnisvollen Untergang. Dennoch hat man sie bis heute nicht wiedergefunden. In ihrem Namen flüstert eine unerzählte Geschichte: Vineta.
Die christliche Welt schreibt das Jahr 1137. In Vineta aber, der besungenen Metropole am Ostseestrand, herrschen die alten slawischen Götter. Viel hat die stumme Waise Natalia bereits von der sagenhaften Stadt gehört, als sie als Braut des Ratsherrn Wartislaw aus Nowgorod nach Vineta kommt. Im freien Geist und lebensfrohen Trubel der Stadt findet die junge Frau an der Seite ihres warmherzigen Mannes eine Art von Glück. Dieses aber ist bedroht: Das vom Schicksal begünstigte Vineta, das sich der Einverleibung durch Nachbarn wie der Christianisierung widersetzt, ist von Feinden umringt. Nicht weniger gefahrvoll ist der Feind im Innern: Boleslaw, Wartislaws Zwilling, der dem Bruder seine Stellung neidet und dessen schöne Frau im Geheimen begehrt. Ihr schlimmster Feind aber ist Natalia selbst, die Leidenschaft, die in ihrem Innern schwelt und ausbricht, als das Paar einen verwaisten Jungen aufnimmt, der kaum jünger ist als sie. Vor dem Hintergrund des legendären Vineta entfaltet sich ein Drama, vor dem es so wenig Entrinnen gibt wie vor der Drohung der Naturgewalten.
Dezember 2007